Bye bye Fotografen und hallo K.I. Experten👀

“K.I. ersetzt Fotografen.”

Eigentlich kann ich den Satz kaum noch hören. Die Angst dahinter ist verständlich, dennoch halte ich diese Aussage für zu kurz gedacht und in dieser Form schlicht für falsch.

Warum ich mir da so sicher bin? Schauen wir uns drei unterschiedliche fotografische Rollen an.

Der E-Commerce-Fotograf

Auch wenn der E-Commerce 2025 mit einigen Herausforderungen zu kämpfen hatte, werden Menschen nicht aufhören, online einzukaufen. Tatsächlich ging es dem stationären Einzelhandel in vielen Bereichen deutlich schlechter letztes Jahr. Einer der Gründer von Snocks, Johannes Kliesch, riet auf der „This is Marketing Messe 2025“ sogar davon ab, 2026 neu in das E-Commerce-Business einzusteigen.

Aber was bedeutet das für Fotografen? Werden sie im E-Commerce noch gebraucht?

Die ehrliche Antwort lautet: Jein.

Viele Startups nutzen inzwischen einfache iPhone-Fotos in Kombination mit KI-Tools wie Nano Banana, um Produktbilder oder sogar komplette Kampagnen zu erstellen. Die Ergebnisse sind teilweise wirklich erstaunlich und werden in Zukunft weiter an Qualität gewinnen. Das allein ist jedoch noch kein Ersatz für professionelle Fotografie.

Der entscheidende Punkt ist, dass KI nur dann gut funktioniert, wenn sie eine saubere, realistische und hochwertige Vorlage des Produktes hat. Genau hier kommt weiterhin der Fotograf ins Spiel. Im letzten Jahr durfte ich unter anderem für eine Zahnbürstenmarke, einen Zitronenschieber, Schmuck und Mode Produkte für Online-Shops fotografieren. Auch für dieses Jahr sind bereits Produktshootings geplant.

Meiner Erfahrung nach werden Freisteller und Produktfotos auch in den kommenden Jahren gebraucht werden, allerdings nicht mehr in dem Umfang von großen Kampagnen und regelmäßig wiederkehrenden Shootings wie früher. Statt Quantität wird Qualität wichtiger.

Hinzu kommt, dass Konsumenten zunehmend wissen wollen, ob ein Produktbild KI-optimiert wurde oder ob es die Realität widerspiegelt. Sollte es künftig eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht für KI-Bilder geben, könnte das in diesem Bereich sogar wieder zu einer steigenden Nachfrage nach echten Produktfotos führen.

Hier sehe ich also einen Rückgang im Volumen, aber gleichzeitig eine klare Aufwertung hochwertiger Arbeit.

Der Kindergarten-Fotograf

Natürlich machen unsere Smartphones heute gute Fotos und halten schöne Erinnerungen fest. Trotzdem zeigt ein Blick auf professionelle Anbieter wie Konfetti-Fotos sehr deutlich, dass es in diesem Bereich keinen echten Ersatz für erfahrene und empathische Fotografen gibt.

Aufwendig gestaltete Sets zu Weihnachten, Ostern oder draußen mit Seifenblasen, kombiniert mit professionellem Licht und echter Interaktion mit den Kindern, schaffen Bilder, die weit über einen schnellen Schnappschuss hinausgehen. Diese Fotos werden nicht nur digital gespeichert, sondern ausgedruckt, verschenkt und über Jahrzehnte aufbewahrt.

Gerade bei Kindern geht es um Vertrauen, Geduld, Organisation und den richtigen Umgang mit Situationen, die sich nicht planen lassen. Diese Mischung aus Verantwortung, Erfahrung und menschlicher Nähe kann KI nicht ersetzen.

Der Event-Fotograf

Stell dir vor, in Zukunft fährt eine KI-gesteuerte Fotobox autonom über Events und fotografiert alle Gäste. Ganz unrealistisch ist dieser Gedanke nicht, auch wenn es aktuell noch nach Zukunftsmusik klingt.

Für die Events 2026 und 2027 sehe ich diese rollende Fotobox jedoch nicht als ernsthafte Alternative. Systeme wie Clicclic ermöglichen es bereits heute, dass menschliche Fotografen authentische Momente einfangen und die Bilder in Echtzeit DSGVO-konform zur Verfügung stellen.

Fotoboxen machen Spaß, keine Frage, sie ersetzen aber nicht das Gespür für den richtigen Moment. Sie können nicht einschätzen, wann ein Speaker emotional berührt ist, wann jemand seinen Masterabschluss stolz in den Händen hält oder ob eine Person sich auf einem Foto wirklich wohlfühlt.

Dieses Fingerspitzengefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, Menschen zu lesen und gegebenenfalls noch ein paar Bilder zu machen, bis jemand ehrlich sagt: „So gefalle ich mir“, bleibt eine menschliche Stärke.

Fazit

KI wird vieles in der Fotografie einfacher, schneller und günstiger machen. Sie wird Arbeitsabläufe verändern und in manchen Bereichen den Bedarf an klassischen Shootings reduzieren. Sie wird Fotografen jedoch nicht vollständig ersetzen.

Ja, es gibt Felder, in denen es schwieriger wird zu wachsen und passende Aufträge zu finden. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen, neue Rollen und neue Chancen für diejenigen, die bereit sind, sich anzupassen.

Fotografen, die Verantwortung übernehmen, Qualität liefern und den Unterschied zwischen Realität und künstlicher Optimierung bewusst sichtbar machen, werden auch in Zukunft gebraucht werden.

KI ersetzt Werkzeuge, keine Menschen.

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Meine Fails als Foto- und Videografin. Ein selbstironischer Blick hinter die Kulissen 🎬